Ein einziger fossiler Kiefer zwingt Forschende dazu, die Zeitachse eines der beweglichsten Jäger der Natur neu zu bewerten.
Der in Spanien entdeckte winzige Knochen deutet darauf hin, dass die Vorfahren heutiger Wiesel bereits vor mehr als sechs Millionen Jahren unterwegs waren – deutlich früher als bislang angenommen.
Zugleich belegt der Fund, dass sie in Landschaften lebten, die sich durch die Ausbreitung von Grasland und das Auftauchen neuer Beutetiere rasant wandelten.
Damit reicht der Fund nicht nur ihre Herkunft weiter in die Vergangenheit zurück, sondern liefert auch erste Hinweise darauf, wie sich ihre Schnelligkeit, Wendigkeit und Jagdweise entwickelt haben könnten.
Fossiler Kiefer setzt die Uhr zurück
An der Fundstätte Las Casiones nahe Teruel im Osten Spaniens beruht der Befund auf einem einzelnen Unterkiefer mit scharfen Zähnen.
Durch den Vergleich dieses Kiefers mit lebenden und fossilen Verwandten zeigte Alberto Valenciano, Ph.D., von der Universität Complutense Madrid, dass der kleine Räuber das früheste bekannte Mitglied der Wiesel-Linie ist.
Valenciano und seine Kolleginnen und Kollegen tauften die Art Galanthis baskini. Ihr Alter verlegt echte Wieselverwandte in das späte Miozän, also in eine Zeit vor mehr als 6 Millionen Jahren.
Ein Fragment kann zwar nicht jedes körperliche Merkmal enthüllen, aber es kann den Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Geschichte verschieben.
Früherer Ursprung der Wiesel
Vor diesem Fossil datierten Forschende die ältesten bekannten echten Wiesel auf etwa 3,5 Millionen Jahre vor heute im mitteleuropäischen Raum.
Der Kiefer aus Spanien verschob diese Grenze auf einen Zeitraum zwischen 6,56 und 6,26 Millionen Jahren und verdoppelte damit die gesicherte Zeitspanne beinahe.
Ältere Datierungen sind bedeutsam, weil sie die Gruppe mit Landschaften verbinden, die sich bereits veränderten, bevor Eiszeiten viele heutige Säugetiere prägten.
Die Wiesel-Linie innerhalb der modernen Marderartigen – einer Familie, zu der Otter, Dachse, Frettchen und Nerze gehören – erhielt damit einen nachweislich weiter zurückliegenden Ursprung.
Zähne weisen auf einen Fleischjäger hin
Die scharfen Zahnspitzen zeigten den Forschenden, dass dieses Tier Fleisch jagte und nicht Früchte, Blätter oder Samen fraß.
Bei Fleischfressern schneiden die Zähne Fleisch, weil ihre zugespitzten Flächen beim Schließen von Ober- und Unterkiefer Gewebe zerteilen.
Im Vergleich mit anderen kleinen Raubtieren entsprach das Zahnmuster der Linie, aus der später moderne Wiesel und ihre nahen Verwandten hervorgingen.
Diese Übereinstimmung lieferte dem Team Hinweise auf die Abstammung, obwohl dem Fossil Beine, Rippen und Schädel fehlten.
Winzige Jäger gingen voraus
Das Tier wog rund 142 Gramm und war damit ungefähr so groß wie das Mauswiesel, das kleinste heute lebende Raubtier.
Ein Raubtier – ein Säugetier aus einer fleischfressenden Ordnung – kann sehr klein sein und dennoch mit hoher Geschwindigkeit jagen.
An der University of Washington (UW) halfen Forschende dabei, die geringe Körpergröße mit Bauten zu verknüpfen, die für größere Räuber unzugänglich sind.
„G. baskini ist spannend, weil die Art bestätigt, dass Wiesel im späten Miozän vorkamen“, sagte Chris Law, Ph.D., leitender Forschungswissenschaftler an der UW.
Ökologie trieb die Anpassung an
Im mittleren und späten Miozän breiteten sich Grasländer aus, während Nagetiere viele offene Lebensräume besiedelten.
Diese Veränderungen waren wichtig, weil mehr grabende Beutearten Räuber begünstigten, die sich unterirdisch durch enge Gänge zwängen und darin schnell wenden konnten.
Die UW-Forschenden hatten erwartet, dass dieser ökologische Druck Wiesel zur Entwicklung langer, niedriger Körper und kurzer Beine beitrug.
Das spanische Fossil belegt nicht, dass diese gesamte Körperform bereits vorhanden war, rückt diese Möglichkeit jedoch in greifbare Nähe.
Verborgene Merkmale sichtbar gemacht
Um den Kiefer zu untersuchen, ohne ihn zu beschädigen, setzten die Forschenden Mikro-Computertomografie ein – ein Röntgenverfahren, das dreidimensionale Ansichten des Inneren erzeugt.
Die Aufnahme machte verborgene Zahn- und Knochenstrukturen sichtbar und verschaffte dem Team damit mehr Belege, als die äußere Oberfläche allein liefern konnte.
Die klassische anatomische Untersuchung blieb dennoch wichtig, denn die Wissenschaftler verglichen die sichtbaren Formen mit bekannten Kiefern lebender Wiesel und fossiler Verwandter.
Die Verbindung beider Methoden verringerte das Risiko, ein ähnlich aussehendes Raubtier fälschlich als echtes Mitglied dieser Linie einzuordnen.
Ein Name im Fossilbericht
Mit dem Namen Galanthis baskini erhält der kleine Räuber einen formalen Platz im Fossilbericht. Als Gattungsname dient Galanthis, eine Figur aus der griechischen Mythologie, die in ein Wiesel verwandelt wurde; die Gattung ist die über der Art stehende Gruppe.
Die Benennung einer neuen Art schmückt einen Fund nicht bloß aus, sondern kennzeichnet eine eigenständige Form im Archiv des Lebens.
Diese Bezeichnung ermöglicht anderen Forschenden, die Einordnung zu prüfen, infrage zu stellen oder zu verfeinern, sobald weitere Knochen auftauchen.
Fossilien weisen nach Eurasien
Der spanische Fund veränderte zudem die Sicht der Forschenden auf ein weiteres kleines Raubtier aus China.
Dieses chinesische Fossil, das zuvor anders eingeordnet worden war, wurde Zdanskyictis zugewiesen, einer neu benannten Gattung mit Verbindungen zu Ottern und iltisähnlichen Verwandten.
In beiden Fällen deuten die Befunde auf Eurasien – die Landmasse aus Europa und Asien – als einen wichtigen Schauplatz der Evolution der Marderartigen hin.
Dieses umfassendere Muster ist relevant, weil frühe Wieselverwandte nicht auf einen einzelnen Teil Europas beschränkt waren.
Lücken in der Evolution bleiben
Ein Kiefer lässt sich anhand seiner Zähne gut bestimmen, beantwortet jedoch nicht alle Fragen zur Fortbewegung des Tieres. Law zufolge besteht der nächste Schritt darin, ein vollständiges fossiles Wiesel-Skelett zu finden.
Ein umfangreicherer Knochensatz könnte die Länge der Gliedmaßen, die Beweglichkeit der Wirbelsäule und den Zeitpunkt offenlegen, zu dem die typische gestreckte Wieselgestalt erstmals entstand.
Künftige Ausgrabungen in Spanien und an anderen Orten könnten außerdem klären, ob die geringe Körpergröße vor der extremen Körperlänge entstand.
Derzeit verbindet ein einzelner Kiefer aus Spanien Körpergröße, Jagdweise und tiefe Erdzeit in einem kompakten Fossil.
Der Fund gibt Paläontologinnen und Paläontologen ein klareres Ziel vor: vollständigere Skelette zu entdecken, die zeigen, wann Wiesel nicht nur klein, sondern auch lang, gestreckt und flexibel wurden.
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